in die EU

Projektwerkstatt Mitglied im Bridge IT Netzwerk15.09.2009

Bridge-IT ist der sprechende Titel eines europäischen Projektes, das sich die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für den Brückenschlag zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und der Gesellschaft in ihrem neuen Lebensumfeld zum Ziel gesetzt hat. Das Projekt - geleitet von der Universität Barcelona - ist im Rahmen des Programms der europäischen Kommission zur Förderung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit mit der Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Digitalen Integration von Migrantinnen und Migranten beauftragt. Gemeinsam arbeiten 25 Partnerorganisationen - darunter Unternehmen wie Microsoft, IBM und die Société Générale, aber auch Wohlfahrtsverbände, Stiftungen und andere Nichtregierungsorganisationen - an der Aufgabe, Strategien für die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien durch Menschen mit Migrationshintergrund zu entwickeln. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Bildung, Arbeitsmarkt und Soziales Kapital.

Auf Einladung der Stiftung Digitale Chancen, die die Projektaktivitäten der Partner in Deutschland - Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V., DGB Bildungswerk und IMES Projektwerkstatt aus Hannover -koordiniert, trafen sich 32 Migrationsexpertinnen und -experten am 15. Oktober in den Räumen des AWO Bundesverbandes, um sich mit der Frage zu befassen, inwieweit mit Hilfe von Computer und Internet ehrenamtliches Engagement von Migrantinnen und Migranten gefördert und soziales Kapital genutzt werden kann.

Überwiegend konnten die Teilnehmenden als Expertinnen und Experten in eigener Sache sprechen, viele von ihnen sind selbst aus ihren Ursprungsländern in europäische Gastländer migriert.

Die Erfahrungen waren dabei sehr unterschiedlich und gerade diejenigen, deren Migration zeitlich bereits länger zurückliegt, sehen in der heutigen Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien ein erhebliches Potenzial zur Erleichterung des Migrationsprozesses. Diese Chance könne bereits im Vorfeld der Migration genutzt werden, so Barbora Tosnerova aus der Tschechischen Republik, allerdings sei es dazu erforderlich, dass die Aufnahmeländer die benötigten Informationen, z. B. über das Sozialversicherungssystem oder das Bildungswesen, online bereitstellen. Nur so könne erreicht werden, dass Migrantinnen und Migranten sich von Beginn an als Teil der Gesellschaft verstehen, sich ehrenamtlich engagieren und ihren individuellen Beitrag zur Bildung sozialen Kapitals leisten.

Aus der Perspektive von Bridge IT ist die kompetente und verantwortungsbewusste Nutzung des Internet der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und Partizipation. Auch und gerade für Menschen mit Migrationshintergrund muss daher der Zugang zu dem Medium gewährleistet sein, unabhängig von ihrem sozialen Status und Bildungsniveau oderBeschäftigungsverhältnis. Öffentliche Interneterfahrungsorte, wie z.B. das nternetkursprojekt IMES der Projektwerkstatt Umwelt und Entwicklung, können dabei eine wichtige Rolle spielen, um den Einstieg zu erleichtern. Angebote zur Förderung der Medienkompetenz müssen die Bedürfnisse und Interessen der Zielgruppe berücksichtigen. Dies gilt sowohl für die Wahl der Sprache, in der Angebote unterbreitet werden, als auch für den zeitlichen Rahmen und Umfang von unterstützenden Maßnahmen wie Kursen oder Förderprogrammen.

Die Frage, ob muttersprachliche Angebote geeignet sind, um die Zielgruppe zu adressieren, wird im europäischen Umfeld ebenso intensiv diskutiert wie im nationalen Kontext. Migrantenselbsthilfeorganisationen wiesen auf den positiven Effekt der Gewinnung der Aufmerksamkeit in der Zielgruppe hin, während einige der Expertinnen und Experten an der Umsetzbarkeit von Handlungsempfehlungen für eine Adressierung in der Muttersprache zweifelten.

Gerade das Internet bietet allerdings auch die Möglichkeit, sprachliche Barrieren zu überwinden und fremdsprachige Angebote neben solche in der Muttersprache zu stellen. Vielfach eröffnen gerade die Bereiche, in denen ehrenamtliches Engagement ausgeübt wird, wie Vereine und Initiativen, einen Weg zu Austausch und Annäherung über sprachliche Grenzen hinweg. (Text: SDC)


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